Einblicke und Erfahrungen einer wunderbaren Schreib-Reise mit Yoga am Weißensee in Kärnten
Ein Abenteuer beginnt immer mit dem ersten Schritt
Ich liebe Abenteuer. Sie fordern mich heraus, die eigene Komfortzone zu verlassen und mich auf das Unbekannte einzulassen. Ich mag es, neue Wege zu finden, Hindernisse zu überwinden und mir selbst wie auch anderen neu zu begegnen. Was für mich das Schöne daran ist? Jedes gemeisterte Abenteuer macht mich stärker, gelassener und weitsichtiger.
Unser Gehirn ist jedoch ein Gewohnheitstier. Es ist darauf trainiert, neue Eindrücke schnell zu verarbeiten, um uns rasch Sicherheit zu vermitteln. Das ist evolutionsbedingt sinnvoll sowohl für den Alltag als auch für das Lernen. So wird aus Neuem schnell Gewohntes – und verliert genau dadurch oft seinen Reiz.
Ich weiß noch, wie ich das erste Mal in Berlin war. Die Größe der Stadt und ihre breiten Straßen haben mich tief beeindruckt. Schon beim vierten oder fünften Besuch ertappte ich mich jedoch bei dem Gedanken: Was genau hat mich hier eigentlich mal so staunen lassen? Die Gewohnheit hatte mein Staunen geschluckt.
Um genau diesem Gewöhnungseffekt zu entkommen und den Blick wieder zu schärfen, habe ich mich auf eine ganz besondere Reise begeben: eine Schreib- und Yoga-Reise zu veranstalten. Um nämlich die Routinen zu durchbrechen, innezuhalten und das Staunen wiederentdecken.
Unsere Zeit ist zu wertvoll, als sie mit Banalitäten zu füllen
Im heurigen Jahr war die Schreib- und Yoga-Reise an den Weißensee eine solche Erfahrung für mich. Ich – die in ihrem Leben davor vielleicht drei Yoga-Einheiten absolviert hatte – ließ mich von der wunderbaren Margarete Weizendorf dazu verführen, ein gemeinsames Retreat auf die Beine zu stellen. Eigentlich wollte ich schon seit Jahren Schreibworkshops am See anbieten. Aber Yoga und Schreiben – würde das gutgehen?
Mit einer Mischung aus Vorfreude und leisen Zweifeln reiste ich an. Normalerweise plane ich meine Workshops bis ins Detail. Doch dieses Mal gab es viele unbekannte Variablen. Also blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich mit ein paar vagen Ideen im Kopf auf das Abenteuer einzulassen.
Als ich am Vortag allein ankam – ein großes Danke an dieser Stelle an das Hotel Kolbitsch – setzte ich mich ans Ufer. Es war bereits dämmrig. Der Nebel legte sich langsam über das Wasser, die Sonne verschwand hinter den Bergen und ich hörte:
– nichts als Stille.
Sie sollte zu einem der eindrücklichsten Erlebnisse dieser Tage werden. Endlich weg vom Alltag, weg vom Lärm der Stadt mit ihrem ewigen Autorauschen und den lauten Folgetonhörnern. Kein unfreiwilliges Mithören von Telefonaten in den Öffis mehr, kein Klingeln der Straßenbahn, kein Musikgedudel im Supermarkt.
Schon lange hatte ich es nicht mehr so unendlich still erlebt.

An solchen Plätzen zu schreiben, in sich zu tauchen, die Natur zu erleben, sich mit ihr, den Menschen aus der Gruppe und der Welt zu verbinden – was gibt es Schöneres?
Meetings sind immer aufregend – oder?
Aber nicht doch! Wir starten ganz unaufgeregt, einfach und selbstverständlich mit einer einstimmenden Yoga-Einheit. Ohne „Ich bin, ich will, ich werde…“. Ich lasse mich tragen von Margaretes Anleitungen, ihrer Stimme, den Klängen, dem Duft von Ölen und dem Blick auf den See. Ungewohnt, aber wunderbar wohltuend, so einfach in Bewegung zu kommen. Und so wird der Einstieg in die Gruppe, unser erstes „Meeting“, ganz natürlich zu einem kleinen Flow.
Die Sehnsucht nach „draußen“ ist groß. Also verlegen wir das Schreiben auch gleich an den See und spüren in uns nach: Wer sind wir? Welcher Vokal in unserem Namen klingt besonders – und wonach? Spannende, berührende Texte entstehen – einfach und wie von selbst.
Aus meiner Erfahrung heraus ist die erste Übung einer Schreibeinheit immer eine der wichtigsten. Sie ist der Türöffner zu sich selbst, in das Thema, ins eigene Schreiben und in die Gruppe. Sie bereitet den Weg für das, was kommt. Ich liebe diese ersten Übungen. Und ich staune immer wieder aufs Neue, was sie anstoßen und wie berührt die Schreibenden von ihren – oft ersten – Texten sind.
Bewegung, die bewegt
Schreibend gestalten sich unsere Tage als Reise – vom Anfang, dem Sein, der Quelle, über Widerstände hin zur Tiefe des Sees, weiter über den Fluss, auf zu neuen Ufern bis zur Mündung ins Meer. Die Idee dazu kam mir über das Wort Flussdiagramm. Warum auch nicht? Ein solches beginnt immer mit einem Input und endet in einem Output. Es hat einen Anfang und ein Ende. Dazwischen gibt Schritte, Abzweigungen, Vertiefungen – es fließt…
Ungewohnt und anders als viele meiner bisherigen Schreibangebote ist dieses gemeinsame Sein: Wir wandern, suchen uns am See wunderbare Plätze, halten immer wieder inne, schweigen und schreiben. Wir tauschen uns aus, genießen meditative Atemübungen und tauchen ein – ins Schreiben und auch einfach ganz nackt in den türkisblauen See.
Diese wunderbare Frauen-Kraft, sie trägt, macht Spaß, bringt zum Lachen, verbindet durch tiefe Gespräche und lässt Respekt sowie Wertschätzung erfahren. Unsere Reise wird zu Tagen, die erfüllen und bewegen: Yoga und Atemflows, Schreiben, Reden, Schweigen. Es bleibt Zeit, um in die Sauna zu gehen, Zeit einfach für sich. Luxus pur! Was für eine wunderbare, bereichernde Kombination.

Auch eine Erfahrung
Durch die vielen Ortswechsel gibt es zwar nicht so intensive Schreib- und Feedback-Möglichkeiten, wie ich es ansonsten gewöhnt bin, aber das gemeinsame Erleben der Natur und die Gespräche, die sich zwischendurch entspinnen, entwickeln eine ganz andere und nicht minder intensive Kraft. Sie erzeugen eine Verbundenheit, die aus allem gemeinsam Erlebten heraus entsteht.
Ich habe an diesen Tagen sehr oft meine Komfortzone verlassen. Ich habe mich auf das Abenteuer eingelassen, nicht alles im Vorhinein planen zu können, sondern vielmehr darauf zu vertrauen, dass es gut wird, so wie es ist.
Von diesen warmen, stärkenden und kraftvollen Momenten und Eindrücken werden wir alle im Winter – wenn es draußen kalt und finster ist – zehren können, so wie Frederick, die Maus von Leo Lionni.
Ein Danke muss sein
Ein Danke an Margarete, für das gegenseiteige Vertrauen und die wertschätzende Arbeit. Ein Danke an die wunderbaren Frauen, die uns bei dieser Reise begleitet haben. Ohne euch wäre das nie möglich geworden. Ohne eure Offenheit, euer Vertrauen und den gegenseitigen Respekt.
So kann es gut weitergehen! Ich bin bereit für neue Abenteuer.
Und PS: Man muss gar nicht in die Karibik fahren, der Weißensee ist wirklich genauso schön…



Begegnung Begegnung und Stille Stille Stille und Glitzern Begegnung Begegnung und Glitzern Begegnung und Stille und Glitzern und Fische
Ich liebe die Wirkung und Kraft von kleine lyrischen Formaten. Wie z. B. die Form eines ABCD-Gedichtes. Einfache Form- oder Reimschemata helfen, entstandene Texte in oft erstaunlicher Weise zu „verdichten“. Obiges hat das Schema:
A
A und B
B
B und C
A
A und C
A und B und C und
D
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Astis Schrag